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AUKTION 61
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19 Datensätze

Adrian-Nilsson, Gösta

Altenbourg, Gerhard

Altenkirch, Otto

Barlach, Ernst

Braunsdorf, Julius Eduard

Dix, Otto

Fossi, Carlo

Glöckner, Hermann

Höst, Marianne

Kretzschmar, Bernhard

Kuehl, Gotthardt

Penck, A.R.

Pesne, Antoine

Richter, Günter

Thiele, Johann Alexander

Vedova, Emilio

Vos, Thomas Andreas (Theo)

Weiss, Johann Baptist

Wigand, Albert




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Gösta  Adrian-Nilsson

1884 Lund – 1965 Stockholm

Schwedischer Maler, Autor und Dichter. 1904–05 Kunststudium an der Teknisk selskabs skole in Kopenhagen, anschließend Umzug nach Stockholm. 1907 erste Erfolge als Dichter und Maler im Stil des Art Nouveau. 1910–11 Studium an der Zahrtmann's Schule in Kopenhagen. 1913 Umzug nach Berlin, wo er Herwarth Walden und die Galerie "Der Sturm" kennenlernte. Stilistisch näherte er sich daraufhin dem Expressionismus um den "Blauen Reiter" und dem italienischen Futurismus sowie dem Kubismus an. 1914 Rückkehr nach Lund. 1917 Ausstellung gemeinsam mit Paul Klee und Gabriele Münter in der Galerie "Der Sturm". 1920 Umzug nach Paris, wo er bis 1925 blieb und Fernand Léger und Alexander Archipenko begegnete. 1931 wieder Übersiedlung nach Schweden, wo er sich stärker dem Surrealismus zuwandte. 1953 Retrospektive in der Liljevalch Kunsthalle in Stockholm sowie zahlreiche Ehrungen und Preise. Seine Werke befinden sich im Nationalmuseum, dem Museum für Moderne Kunst in Stockholm sowie den Kunstmuseen in Göteborg und Malmö.

KatNr. 370 Gösta Adrian-Nilsson

370   Gösta Adrian-Nilsson "Telefonturm" (Alter Telefonturm in Klarakvarteren, Stockholm). 1917.

Gösta Adrian-Nilsson 1884 Lund – 1965 Stockholm

Aquarell auf chamoisfarbenem Papier, vollflächig auf kräftiger Malpappe montiert. Monogrammiert "G.A.N" und datiert u.re. In der Darstellung bezeichnet "Trikå" (Trikot) u.Mi. Verso o.li. mit dem Ausstellungsetikett der Kunstausstellung "Der Sturm", Leitung: Herwarth Walden, Berlin, darauf in Schreibmaschinenschrift bezeichnet und wohl irrtümlich betitelt "Telefonsturm". Mittig ein gestrichener Inventarstempel. O.Mi., partiell unter der Montierung in schwarzer Wasserfarbe römisch nummeriert "I.

Provenienz: Nachlass Friedrich Bienert (1891 Dresden – 1969 West-Berlin).

Um 1890 wurde im Zentrum Stockholms der zentrale Telefonturm (telefontornet) errichtet, um ca. 5.500 Leitungen an kleinere Türme weiterzuverteilen. Der hoch über die Dächer der Stadt hinausragende Eisenfachwerkturm war Symbol für den Einzug eines neuen technischen Zeitalters und beeindruckendes Beispiel für die Industriearchitektur des ausgehenden 19. Jh. unter dem Einfluss des ein Jahr zuvor fertiggestellten Pariser Eiffelturms. Wenngleich das 45 m hohe Bauwerk bereits 1913 in seiner Funktion obsolet wurde, da alle Kabel unterirdisch verlegt wurden, prägte er doch bis zu seinem Abriss aufgrund Baufälligkeit nach einem Brand im Jahr 1953 das Bild der Stadt mit.
Gösta Adrian-Nilsson, welcher nach einem einjährigen Aufenthalt in Berlin wieder in seine südschwedische Heimatstadt Lund zurückkehrte, besaß in den Jahren 1917 bis 1919 in Stockholm ein Atelier. In diesen sogenannten Stockholmer Jahren schuf G.A.N. unter dem Einfluss des in Berlin kennengelernten Kubismus, Futurismus und der abstrakten Kunst Werke, in denen auch der Telefonturm Bildinhalt wurde. Offensichtlich hatte der Künstler aus seinem Atelierfenster direkten Blick auf den Turm, vgl. dazu das Gemälde "Min ateljé / Interiör" (Mein Atelier) aus dem Jahr 1919 (Sven-Harrys Konstmuseum, Stockholm). Auch ein historisches Foto zeigt G.A.N. im Malerkittel auf einer Brücke Stockholms mit dem markanten Turm im Hintergrund.
Das 1917 entstandene Aquarell "Telefonturm" zeigt eindrucksvoll die Auseinandersetzung des Künstler mit den kontinentalen Kunstströmungen. Die geometrischen Grundformen der Komposition und die klare, leuchtende Farbigkeit nehmen Bezug auf Wassily Kandinsky, über dessen Kunst er im Zusammenhang mit seiner Ausstellung in Gummesons Kunstgalerie in Stockholm 1916 eine Einführung publizierte.
Offensichtlich übergab G.A.N. die Arbeit neben anderen Werken dem Berliner Galeristen Herwarth Walden noch im Entstehungsjahr für die im Dezember 1917 geplante 58. Ausstellung zusammen mit Paul Klee und Gabriele Münter. Elf Arbeiten waren Bestandteil dieser Gemeinschaftsausstellung. Das Aquarell "Telefonturm" wurde auf dieser Ausstellung wohl nicht gezeigt, es ist im Katalog nicht eindeutig vermerkt. Man mag unterstellen, dass Friedrich Bienert, welcher 1917 schwer verwundet aus dem Ersten Weltkrieg nach Dresden heimkehrte, das Werk direkt in der Galerie "Der Sturm" erwarb. Seit ca. 1924 unterstützte er insbesondere junge Dresdner Expressionisten und war auch, nicht zuletzt durch das Mäzenatenum seiner Mutter Ida Bienert, mit Herwarth Walden, dessen Galerie bis 1929 existierte, und den dort ausgestellten Künstlern bekannt.

Lit.: GAN. Gösta Adrian-Nilsson 1884–1965. Ausstellungskatalog Malmö Konsthall. Malmö, 1984.

Ragnar von Holten: Surrealism i svensk konst. Stockholm,1969. S. 30–36.

Ausstellungskatalog "Der Sturm". Leitung: Herwarth Walden. Dezember 1917, Achtundfünfzigste Ausstellung. Gösta Adrian-Nilsson, Paul Klee, Gabriele Münter. Gemälde und Aquarelle, Zeichnungen. Berlin, 1917.

Hans-Peter Lühr: Friedrich Bienert und der Geist von Weimar. Eine biografische Studie. In: Dresdner Hefte. Beiträge zur Kulturgeschichte. 31. Jg, Heft 116, 4/2013. S. 55–64.

49 x 39 cm. 30.000-50.000 €
* Zzgl. Folgerechtsabgabe 2.00 %.
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